MedAngel – das etwas andere Produktreview

26. Juli 2017 InsulinJunkie

Schon vor langer Zeit (naja, tatsächlich ist es wahrscheinlich gar nicht so lange her) hatte ich bei Amin angefragt, ob ich das MedAngel-System testen könnte. Ich selbst war nicht sonderlich von dem großen Nutzen des Systems überzeugt. Aber da ich auf technische Spielereien stehe, ist das genau das Richtige für mich. Dazu kam in mir natürlich der Forscher zum Vorschein – mit der Frage, ob man irgendwie anders an die Daten des Geräts kommen kann. Also z. B. mit einem Bluetooth LE Sniffer. Hätte ich MedAngel mit beim 34C3 letztes Jahr gehabt, hätte ihn jemand dort sicher gerne analysiert. 😊

Aber nun mal zurück zum Gerät: Es ist ca. 4 x 2,5 x 1 cm groß, in hübschem weiß gehalten und mit dem MedAngel-Logo vorne drauf. Auf der Rückseite befindet sich das Batteriefach und die Geräte-ID, damit, falls man mehrere besitzt, man diese bei der Einrichtung auseinanderhalten kann.

Der Sensor ist zwar nicht wasserdicht, aber zumindest feuchtigkeitsresistent. So kann man ihn im Kühlschrank und auch in der Kühltasche mitnehmen, ohne dass er Schaden nimmt.

Im Prinzip ist es ein Thermometer, das regelmäßig über Bluetooth LE Daten ans Handy liefert, wo man dann die Temperatur sehen kann. Es warnt vor zu warmen oder kalten Temperaturen. Insulin darf ja nicht unter 2 Grad gelagert werden, da es sonst langsam zerfällt. Das Gleiche gilt übrigens auch für zu warme Temperaturen. In der App stehen mittlerweile für viele Medikamente die Temperaturbereiche zur Auswahl zur Verfügung.

Wie schon eingangs erwähnt, hielt ich persönlich den Nutzen für doch sehr beschränkt, aber die Zeit sollte mich eines Besseren belehren.

Nachdem dem Sensor schon einige Zeit im Kühlschrank lag und nichts Spektakuläres zu sehen war, vibrierte auf einmal spät abends mein Handy. Etwas verdutzt schaute ich mir die Benachrichtigung an. MedAngel zeigte an, dass es im Kühlschrank langsam warm wird (8°C). Also mal zum Kühlschrank gedackelt, doch dieser schien völlig in Ordnung zu sein. Ich habe die Warnung also einfach ignoriert und mich wieder hingelegt. 2 Stunden später wieder eine neue Benachrichtigung. MIttlerweile waren es schon 10°C im Kühlschrank. Bei einer schnellen Überprüfung zeigte auch das zweite (analoge) Thermometer dieselbe Temperatur an: Der Kompressor vom Kühlschrank lief offenkundig nicht. Kurzerhand habe ich den Kühlschrank “neu gestartet”. Danach sprang der Kompressor wieder an und ich konnte später in der App sehen, dass er auch wieder kühlt. Ich dachte, alles wäre überstanden. Long story short: Der Kühlschrank hatte einen Schaden und wenn der Kompressor einmal ausgegangen ist, weil der die Soll-Temperatur erreicht hatte, ist er einfach nicht wieder angesprungen. Und wir mussten uns einen neuen kaufen

Das zweite Mal, dass mich MedAngel gerettet hat, war vor ein paar Wochen in Cuxhaven im Urlaub. Dort habe ich das Insulin natürlich brav im Kühlschrank gelagert. Am zweiten Morgen bekomme ich die Mitteilung, dass das Insulin etwas zu kühl ist (0,7°C). Dabei habe ich mir erstmal nichts gedacht. Kühlschränke haben ja meist leichte Temperaturschwankungen. Da am Tag vorher alles in Ordnung war, kein Thema. Am nächsten Morgen bekam ich allerdings die unschöne Meldung, dass die Temperatur auf 0,0°C gesunken war. Ich also schnell das Insulin aus dem Kühlschrank raus, im Wissen, dass es wahrscheinlich schon zu spät ist. Kurz überlegt und die 160 verbleibendem Einheiten aus der Pumpe raus – ein neues Reservoir mit dem vermeintlich zu kalt gewordenen Insulin aufgezogen und die in die Pumpe eingelegt. Beim ersten Test musste ich dann aber feststellen, dass das Insulin leider überhaupt nicht mehr wirkte. Schade …

Erstmal die verbliebenen „guten“ 160IE wieder in die Pumpe gemacht und mir so ca. 3 Tage Zeit gesichert.

Abends dann zum ärztlichen Bereitschaftsdienst, ein neues Rezept besorgt und in der Apotheke Insulin abgeholt. Ich möchte mir nicht ausmalen was passiert wäre, wenn ich nicht vorgewarnt gewesen wäre und ich einfach zu Pizza & Eis das defekte Insulin gespritzt hätte.

Dank MedAngel konnte ich die Situation also gut und “nur” mit nervigem Arzt- und Apothekenbesuch im Urlaub umschiffen.

Zum Schluss konnte ich auch herausfinden, was mit dem Kühlschrank los war: Mein Sohn hatte es lieb gemeint und ihn „etwas“ kälter gestellt, damit unsere Getränke schön kühl sind, nach einem langen Tag am Strand.

Nach meiner anfänglichen Skepsis, hat sich MedAngel also mittlerweile für mich schon bezahlt gemacht 😊

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