Die Medien – Gewünschter Unterschied Typ 1 & Typ 2

28. Januar 2015 InsulinJunkie

Auf dem T1 Day in Berlin ging es im Zusammenhang mit Medienarbeit unter anderem mal wieder darum, den Unterschied zwischen Typ 1 und Typ 2 deutlich zu machen. Im ersten Artikel habe ich ja schon erklärt, wie Nachrichten entstehen. Wenn man also den Medien keine gescheiten News liefert, dann kommen halt auch keine gescheiten News raus.

group-309069_640Mir persönlich geht dieses Gejammer bezüglich der Unterscheidung Typ 1 / Typ 2 ganz grundsätzlich megamäßig auf den Keks. Ich kann absolut nicht nachvollziehen, woher dieser „Brass“ auf die Typ 2er kommt. Also was sind denn die Unterschiede aus meiner Sicht?

Typ1: Auto-Immunkrankheit, Ausbruch meist im Kindesalter, man ist bald auf Insulin angewiesen, Tabletten (nicht zugelassen, aber manche nehmen trotzdem welche, weil die auch besser für die Wirkung / Dosis sind)

Typ2: Spätfolge: Die Bauchspeicheldrüse steigt irgendwann aus und man ist auf externes Insulin angewiesen… (Same Story as T1)

Vielleicht verstehe ich das Ganze auch nicht, weil ich 3 Jahre lang laut Diagnose Typ 2 hatte und dann zu Typ 1 LADA umdiagnostiziert wurde. In der Therapie gab es NULL Unterschied. Ich musste von Anfang an Blutzucker messen, Insulin spitzen – das volle Programm eben.

Was ich dagegen voll verstehen kann ist, dass man keinen Mist in der Zeitung lesen will. Aber die meisten Nachrichten sind zu 90% auch für Typ 2er falsch. (Wir ignorieren mal alle Typ 3er in der Diskussion?!). Besonders häufig wurde das Wort „Zuckerkrankheit“ genannt, welches ein synonym für Diabetes mellitus ist – und zwar ganz offiziell laut Duden!

Gut, vielleicht war dieser Begriff vor x Jahren nicht sehr glücklich gewählt, aber damit müssen wir nun einmal jetzt leben. Die „Dürfen Sie denn was Süßes essen?!“-Frage kommt aus einer Zeit, in der die Reduzierung von KH-reichem Essen wohl die erste Maßnahme war, um den Blutzucker zu senken. An sich ist da ja auch nichts schlimmes dran – in meinen Augen zumindest. Wer darauf keiner gute Antwort parat hat oder damit nicht umgehen / aufklären kann, hat IMHO ein ganz anderes Problem. Ich habe persönlich noch nie eine negative Erfahrung mit solchen Nachfragen aus Unwissenheit gemacht. Alle Leute, die ich bis jetzt aufklären wollte, waren eher interessiert an der Story…

Aber nochmal kurz zurück zur Typ 1 / Typ 2 Diskussion: Ich habe das Gefühl, dass sich die Typ 1er immer als „was Besseres“ sehen, als die Typ 2er. Wie seht ihr das Ganze? Ist das so? Woran kann das liegen?

2 Gedanken zu “Die Medien – Gewünschter Unterschied Typ 1 & Typ 2

  1. Gravatar: TimTim

    Hallo Matthias,

    jetzt will ich auch mal meine Meinung dazugeben.
    Im Prinzip hast du ja Recht, dass es keinen himmelweiten Unterschied zwischen Typ 1 und Typ 2 gibt, beides ist eine Form derselben Krankheit. Aber teilweise gibt es meiner Meinung nach eben schon einige bedeutende Unterschiede.
    Bei Typ 1 ist z. B. sofort eine Insulintherapie unumgänglich, bei Typ 2 kommen viele (sicher auch wegen des späteren Manifestationsalters) mit Tabletten und/oder Nahrungsumstellung und/oder Sport aus – was bei Typ 1 als alleinige Lösung ja nicht funktioniert (und auch das Ende der strengen Diät für Diabetiker ist ja nun schon ein paar Jahre her). Dann kämen hoffentlich von Nichtbetroffenen keine Reaktionen mehr wie: „Du musst nur … nehmen/… machen und dann geht es. Bei meiner Oma hat das auch gewirkt.“ oder „Darfst du das denn essen?!?“ Außerdem wissen die wenigsten, dass es auch einen Diabetes gibt, der nicht durch falsche Ernährung ausgelöst wird (auch für Typ 2 grob vereinfachend, ich weiß, aber immerhin da mit ein Faktor – bei Typ 1 ja nun überhaupt nicht).
    Ich sehe das gar nicht so sehr als „als etwas besseres sehen“, sondern dass wir ständig Ratschläge bekommen, die gar nicht für uns passen. Du würdest einem Blinden ja auch nicht sagen: „Na, zu viel gelesen? Probier doch mal eine Brille, bei meiner Oma hat das auch funktioniert.“

    Andererseits braucht es generelle Aufklärung, da geistert auch sehr viel Halbwissen durch die Gegend: Ich wurde neulich von einer Kommilitonin gefragt, wie schlimm ich denn Diabetes habe, es gäbe doch da verschiedene Stufen, A bis D (vermutlich hat sie mal von den verschiedenen Typen gehört und das jetzt so wiedergegeben). Ihre Oma habe das jetzt auch, die müsse nur Tabletten schlucken, aber eine Freundin von ihr habe das so schlimm, dass sie die ganze Zeit an der Dialyse hängen müsse (gemeint war, dass die Freundin eine Pumpe hat). Und ob ich jetzt besonders viel Zucker essen müsste, wo ich keinen mehr produzieren würde (so viel auch zum Thema „Zuckerkrankheit“). Ich habe natürlich erstmal alles erklärt – aber solche „Verwirrung“, gerade wenn sie schon jemanden mit Typ 1 kennt, finde ich etwas erschreckend.

    Zum Begriff „Zuckerkrankheit“: Dieser Begriff ist ja einerseits irgendwo zutreffend (BlutZUCKER), andererseits auch verwirrend (eben nicht – oder nicht immer – durch zu viel Zucker ausgelöst). Sprache wandelt sich – warum sollte man es hier nicht durch Information gezielt provozieren? Früher sagte man zu Menschen mit (Körper-)Behinderung ja auch „Krüppel“… Zum Glück hat sich da etwas getan.

    Das sind in gewissem Sinne „Luxusprobleme“, klar. Wir sollten froh sein, dass unsere Krankheit (wenn auch meist in einer anderen als der uns betreffenden Variante) generell doch recht bekannt ist und diese Ratschläge sind ja auch meist gut gemeint. Wir sehen das halt immer aus der Perspektive der gut Informierten, weil selbst Betroffenen (können wir ja auch nicht anders ;)). Aber man strebt ja immer nach etwas besserem als man hat, oder?

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  2. Gravatar: Thomas PeterThomas Peter

    Joa, Du hast schon recht. Wenn wir ganz ehrlich sind, so glauben wir Typ 1 ‚er schon so ein ganz keines bisschen, dass wir den einzig wahren Diabetes haben. Mit eiserner Hand und unerschrocken kämpfen wir ohne einen Tropfen eigenes Insulin gegen die Insulinlosigkeit an. Bewaffnet mit Pen, Blutzuckermessgerät und einer präzisen Gabe zum Schätzen von KE’s umsegeln wir die gefährlichen Klippen und bringen den Blutzucker in ruhige Gewässer. Wir Typ 1 ‚er sind eben Helden. Den „Weichei- Diabetes“, auch Typ 2 genannt, fängt man sich halt wie eine Erkältung ein, ein bisschen viel gegessen und schon hat man ihn. Und jeder Hausarzt darf sich beim Kurieren versuchen. Bei uns Typ 1‘ ern müssen da schon die besonders ausgebildeten Speziallisten, Diabetologen genannt, dran. Diese Ansicht steckt schon irgendwie nicht nur bei uns drinnen. Typ 2 Diabetes oder „Alterszucker“ wurde immer gerne verniedlicht. Dabei beneide ich keinen um seinen Typ 2 Diabetes und würde meinen Typ 1 ‚er auch nicht eintauschen wollen. Als Typ 2 ‚er hat man es nicht einfacher. Mit höchstens 100 Messstreifen pro Quartal und nur einem Medikament den Blutzucker einstellen, ist gewiss nicht so gut möglich wie bei uns. Ein metabolisches Syndrom bei dem der Stoffwechsel entgleiten ist, und dazu gespritzt werden muss, möchte ich nicht haben. Irgendwann kommt es dann auch beim Typ 2 Diabetes zum spritzen, aber die Zellen nehmen nicht unbedingt das Insulin an, und Tabletten sind nötig um die Wirkung des gespritzten Insulins nur sehr gering verstärken. Das ist, denke ich, kein Spaß. Da bin ich doch froh, dass ich bei mir alles ausrechnen kann, und der Blutzucker hält sich einigermaßen daran – Typ 1 eben.

    Gruß Thomas

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